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Herausgegeben von der Aktion Mensch

Seine Mode ist nichts für Mauerblümchen. Die Kleider, die der Pariser Modeschöpfer Chris Ambraisse Boston entwirft, fallen auf. Und sie sind nicht ohne Grund einfach an- und auszuziehen.

Zwei Männer und eine Frau im Rollstuhl, die die Hemden mit Reißverschlüsse an den Ärmeln, von der Hand bis an die Taille tragen.

Reißverschlüsse an den Ärmeln, von der Hand bis an die Taille sind der Clou dieser Hemden. Sie lassen sich einfach ausziehen.

Interview Astrid Eichstedt
Foto Sarah Bouillard/Antoine Kienlen/Nicolas Pernot
 
Vor ein paar Wochen ist Chris Ambraisse Boston, 28, in ein barrierefreies neues Atelier mit eigenem Showroom umgezogen. Es liegt in Belleville, dem Pariser Multi-Kulti-Viertel, das die einen „bunt“, die anderen „gefährlich“ nennen. Der Mann mit dem französisch-amerikanischen Namen und den karibischen Wurzeln schätzt den Einfluss vieler Kulturen und unterschiedlicher Menschen. Er macht Mode, die zu etwa zwei Dritteln von Kunden mit und zu einem Drittel von Kunden ohne Behinderung gekauft wird. In dem von ihm gegründeten Verein „Mode&Handicap, c`est possible“ (Mode und Behinderung, das ist möglich) arbeiten 30 Menschen mit und ohne Behinderung daran, die Ideen des Meisters umzusetzen. Im Interview erzählt Chris Ambraisse Boston, wie sein Projekt entstand und warum es ihm so wichtig ist.

Chris Ambraisse Boston mit Models auf dem Laufsteg

Chris Ambraisse Boston aus Paris kreiert Mode für alle.

Monsieur Ambraisse Boston, woher kommt Ihr Interesse an schönen Kleidern?
Es war meine Leidenschaft für die Verschönerung menschlicher Körper, die mich zu einem Modedesign-Studium geführt hat. Ich habe zuerst vier Jahre lang Mode-, Kostüm- und Textildesign an einer Modeschule studiert. Dort habe ich gelernt, alle möglichen Arten von Kleidung zu entwerfen, vom einfachen Rock über Hochzeitskleider bis zu Messgewändern. Im Anschluss daran bin ich zur Ecole des Beaux Arts gegangen, um dort noch Malerei und Zeichnen zu studieren.
 
Wurden Sie durch Ihr Elternhaus in Ihrem Hang zur Ästhetik beeinflusst?
Es ist schwer für mich, über meine Familie und meine Vergangenheit zu sprechen, weil die Wunden noch sehr schmerzhaft sind. Während meiner Kindheit mussten mein Bruder und ich acht Jahre lang Gewalt und Misshandlungen erleiden, die meine Mutter und mein Stiefvater uns angetan haben. Dank eines starken Willens sowie nicht zuletzt dank der Hilfe von Freunden und Freundinnen habe ich es geschafft, das Leid zu verarbeiten, das diese Misshandlungen und die Zurückweisung meiner Eltern bei mir verursacht haben. Durch diese schmerzhaften Erfahrungen bin ich sehr sensibel gegenüber den Problemen anderer Menschen und nicht zuletzt gegenüber Ablehnung geworden.

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