zum Inhalt zur Hauptnavigation
Diese Seite drucken Diese Seite weiter empfehlen Artikel als MP3-Beitrag anhören
Mehr Männer!
Männliche Erzieher sind in deutschen Kindergärten noch die große Ausnahme. Familienministerin Kristina Schröder will das ändern und die Männerquote, derzeit knapp 3 Prozent, versiebenfachen.
Frauensache? Von wegen. Erzieher Björn Münzer mit seinen Schützlingen in der evangelischen Kita St. Elisabeth in Berlin-Mitte.
Text: Markus Wanzeck
Bild: Sascha Montag
Der Hoffnungsträger sitzt im Singkreis auf einem der Stühle, deren Sitzkante ihm, wenn er steht, gerade bis an die Waden reicht. Kita St. Elisabeth, Berlin-Mitte. Ein kühler, aber strahlend schöner Oktobermontagmorgen.
Im Kreis sitzt die Bärchengruppe, gut ein Dutzend Jungen und Mädchen, vier oder fünf Jahre alt die meisten. Dazwischen Erzieherin Christina Liefeldt und ihr Kollege Björn Münzer, 36. Der Hoffnungsträger. Christina stimmt ein Lied an, die Kindergruppe fällt ein: „Vom Aufgang der Sooonne bis zu ihrem Niiiedergang sei gelo-ho-bet der Na-ha-me des Herrn!“ Björn steuert brummelnd eine Bassspur bei. Singen sei nicht so seins, wird er später mit leiser Stimme sagen. Malen, Basteln, Vorlesen, ja. Das liege ihm.
Björn wird auch sagen, in der Kita zu arbeiten, sei für ihn das Normalste auf der Welt: „Als Exot oder Vorreiter fühle ich mich überhaupt nicht.“ Er wird seinen Ausnahmestatus weglächeln, mit einer Gelassenheit, die in seinem grauen Schlabberpulli und dem zum strubbeligen Seitenscheitel geworfenen Haar ein modisches Echo findet. Dabei dürfte und sollte er sich doch zur pädagogischen Avantgarde des Landes zählen.
Denn es soll sich etwas gründlich ändern in Deutschlands Kindergärten, die fest in Frauenhand sind – ganze 97,3 Prozent des Kita-Fachpersonals sind weiblich. „Mehr Männer in Kitas!“, fordert darum ein von EU und Bundesfamilienministerium gefördertes Programm gleichen Namens. Seit Anfang 2011 unterstützt es bundesweit 16 Modellprojekte mit zusammengenommen 13 Millionen Euro, verteilt über drei Jahre.
Mittelfristiges, zeitlich aber nicht näher bestimmtes Ziel ist, die Männerquote auf 20 Prozent anzuheben. Die Initialzündung zu dieser Versiebenfachung sollen unter anderem Schnuppertage („Boys Days“) bringen, Praktika und Freiwilligendienste speziell für männliche Interessenten. Vor allem aber soll das Image der Kitas runderneuert werden, die einerseits oft als bloße Verwahranstalten angesehen werden; zum anderen seit eh und je als Frauendomäne gelten.
Und das sei auch gut so, vermittelt das überlieferte Rollenbild: Frauen können eben besser mit kleinen Kindern. „Noch immer gelten Frauen sozusagen dank ihres Geschlechts als kompetenter“, so Patrick Börner von der Fachstelle für Jungen- und Männerarbeit in Dresden.
Das ist gut, bestätigt ein Pauschalverdacht: Wer sich als Mann gern mit kleinen Kindern umgibt, gilt als potenziell pädophil und somit als Risikofaktor.
Quell-URL: http://www.menschen-das-magazin.de/spezial/index.php