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Personenkraftwagen statt Menschenkraftwagen, Personalausweis statt Menschenausweis. Gibt es einen Unterschied zwischen Mensch und Person?
Die Soziologin Gesa Lindemann denkt über diese Frage nach. Ein Gespräch über Schimpansen, das Diesseits und Anästhesisten
Hölzerne Narrenmaske aus der Alemannischen Fasnacht. (Foto: mauritius images/ Busse Yankushev)
Interview Friederike Gräff
Genügt es nicht zu wissen, was ein Mensch ist? Weshalb ist der Begriff der Person wichtig?
Die Unterscheidung von Mensch und Person wird dann bedeutsam, wenn nicht mehr selbstverständlich gilt, dass alle lebenden Menschen – und nur diese – einen moralischen Status haben. Wenn also nicht mehr selbstverständlich gilt, dass alle lebenden Menschen moralisch zu berücksichtigen sind, braucht man ein Wort, um diejenigen auszuzeichnen, die moralische Berücksichtigung erfahren sollen. Dafür wird das Wort Person verwendet.
Warum gibt es so unterschiedliche Vorstellungen darüber, was eine Person ausmacht?
Es gibt keine übergeordnete Instanz, die für alle anderen verbindlich entscheidet, wer eine Person ist. Die Grenzen des Personen-Konzepts werden darüber präsent gemacht und aktualisiert, dass sie umstritten sind. So gibt es immer wieder Streit darüber, ob nicht auch die Schimpansen personale Eigenschaften haben. Schimpansen können vermutlich auf eine anspruchsvolle Weise täuschen. Das setzt zumindest in Ansätzen ein Bewusstsein von sich selbst voraus. Man könnte also fragen: Müssten wir sie nicht einbeziehen?
Und: Müssen wir?
Man kann die Frage, wer dazugehört, nicht ohne Blick auf die Geschichte beantworten. Es gibt Gesellschaften, in denen Bäume, Verstorbene, Götter und Dämonen soziale Personen sind. Für die moderne Gesellschaft, die etwa ab dem 18. Jahrhundert entsteht, kommt man zu dem Ergebnis, dass alle lebendigen, diesseitigen Menschen dazugehören. Diesseitig, weil es ein neues Verständnis des Körpers gibt, der nun auch als Sitz des freien Willens gesehen wird. Zum anderen ist es eine Folge der neuen Religionsfreiheit: Ein bestimmter Gottesbezug ist nicht mehr notwendigerweise verpflichtend für alle Menschen.
Kommt man dann mit dieser Definition nicht zu der mindestens ebenso schwierigen Frage, wer ein lebendiger Mensch ist?
Es gibt bei jeder Grenzziehung Grenzfälle. Für eine moderne Gesellschaft gibt es vier davon: Ab wann ist ein sich entwickelnder menschlicher Körper lebendig genug, um als Person ein Recht auf Leben zu haben? Und analog: Wie lange ist man lebendig genug, um als Person anerkannt zu werden? Wenn die Moderne den Menschen als ein rein diesseitiges Wesen begreift, wenn keine unsterbliche Seele mehr im Spiel ist, dann stellt sich auch die Frage: Wie grenzt man Mensch und Maschine voneinander ab? Und schließlich die bereits erwähnte: Wie unterscheidet sich der Mensch eigentlich vom Tier?
Wie weit kommt man mit dem Konzept der Person als lebendigem, diesseitigem Menschen bei diesen Grenzziehungen?
Mir geht es nicht darum, die Grenzfälle zu bestimmen, sondern die soziale Logik zu begreifen, die in der Bestimmung dieser Grenzfälle deutlich wird. Also: Warum muss gerade der Hirntote tot sein, also derjenige, dem man Organe als Mittel zur Heilung von anderen entnimmt? Ich vermute, dass sich diese Notwendigkeit daraus ergibt, dass jemand, solange er lebendig genug ist, um eine Person zu sein, aus diesem Vernutztsein prinzipiell herausgenommen ist.
Quell-URL: http://www.menschen-das-magazin.de/wissen/index.php